Kampf dem Chaos: Die besten Tipps von Ordnungsexpertin Veronica Zapp

Ein Interview mit Ordnungsexpertin Veronica Zapp

Ausmisten und Ordnung in die Wohnung bringen steigert nicht nur das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden, sondern hilft oft auch unnötigen Ballast abzuwerfen – das weiß auch Ordnungsexpertin Veronica Zapp. Als Ordnungs- und Life Coach hilft sie vielbeschäftigten Frauen dabei, ihr Zuhause, ihre Zeit und sich selbst besser zu organisieren. Wir haben mit ihr über ihren Job und ihre Aufräummethoden gesprochen und verraten euch einige clevere Tipps und Methoden für mehr Ordnung daheim.

Dr. Veronica Zapp unterstützt vielbeschäftigte Frauen dabei, sich eine Umgebung zu schaffen, in der sie die beste Version von sich werden können.  (Bild: Andrea Mühleck)

Du bist beruflich eine „Ordnungsexpertin“ bzw. „Professional Organizer“, was genau kann man hierunter verstehen?

Ich sehe mich selbst als eine Art Personal Trainer – nur nicht für den Körper, sondern für den Kopf und fürs Zuhause. Mir geht es darum, das Leben meiner Kundinnen einfacher und leichter zu machen. Ich helfe ihnen dabei, Entscheidungen zu treffen und ihre Ziele nicht nur zu planen, sondern auch umzusetzen. Denn Ordnung beginnt im Kopf. 

Ich biete sowohl Home Organizing vor Ort an (im Großraum München) als auch virtuelles Coaching. Das geht meist über einen Zeitraum von einem Quartal oder auch länger, da es darum geht, langfristige Resultate zu erreichen und seine Gewohnheiten zu ändern. Das braucht Zeit und geht nicht über Nacht.

Wie ist die Idee entstanden, Aufräumcoach zu werden?

Vor ein paar Jahren ging es mir so wie vielen meiner Kunden jetzt. Meine Kinder waren klein, wir waren gerade umgezogen, ich sollte nach der Babypause wieder zurück in meinen Job als Nachrichtenredakteurin, meine Schwiegereltern wurden kurz hintereinander krank. Es war plötzlich alles irgendwie zu viel. Das Ausmisten hat mir das Gefühl von Kontrolle zurückgegeben – meine Dinge, mein Kalender und meine Verpflichtungen waren etwas, das ich kontrollieren konnte. 
Nach und nach habe ich alle möglichen Bereiche meines Lebens vereinfacht und gemerkt, wie viel besser es mir ging. Der Großteil des Stresses war hausgemacht – das habe ich aber erst viel später realisiert.
Ich habe mich zum Coach ausbilden lassen und bin sehr glücklich darüber, mein Wissen und meine Erfahrungen teilen zu dürfen.



Wer genau sind deine Kunden?

Vor allem arbeite ich mit Frauen zwischen Mitte 30 bis Mitte 50. Sie stehen mitten im Leben und haben privat und beruflich Einiges erreicht. 
Trotzdem fühlen sich viele zwischen Job, Familie, Haus und Partnerschaft ausgebrannt und gestresst, weil sie allen und allem gerecht werden wollen und die Zeit für sich selbst oftmals auf der Strecke bleibt. 

Ordnung im Haus und im Leben ist ja gerade allgegenwärtig. Man hat das Gefühl, dass alle nach der Konmari-Methode ihre Wohnungen entrümpeln. Warum ist das gerade so ein Trend?

Viele haben das Gefühl, dass das Leben immer komplizierter, hektischer und unsicherer wird, auch schon vor Corona. 
Unser Zuhause ist unser Rückzugsplatz – ein Ort, an dem wir uns erholen und auftanken sollten. Wenn alles voller Zeug ist, das uns nicht mehr dient und wir ständig nach Dingen suchen, können wir uns dort nicht entspannen. Ständig werden wir visuell an all die unerledigten Aufgaben erinnert. 
Ordnung im Außen zu schaffen bedeutet auch in unserem Inneren aufzuräumen. Wir können dann klarer sehen, was wir wirklich wollen und was uns wichtig ist. Das schafft innere Ruhe, Fokus und Gelassenheit. 



Ist deine Aufräum-Methode der von Marie Kondo ähnlich oder hast du einen anderen Ansatz?

Ich mag viele Elemente der Konmari-Methode, vor allem die Falttechnik und das Aufräumen nach Kategorien. Womit ich mich weniger anfreunden kann, ist die Hau-ruck-Herangehensweise („alles in einem Rutsch“). Das ist für viele meiner Kunden einfach nicht machbar. Nicht jeder kann sich zwei Wochen Urlaub nehmen, um die ganze Bude gründlich in Ordnung zu bringen. 
Unordnung kommt nicht über Nacht und verschwindet auch nicht über Nacht. Und wenn, dann nur oberflächlich. 
Mir ist wichtig, dass meine Kunden langfristige Ergebnisse erzielen – damit es nicht nur eine Woche lang ordentlich bleibt, sondern möglichst für immer. 

„Viele Frauen haben grundsätzlich einen vollen Kleiderschrank – und trotzdem keine Klamotten.“ Wie kommt es, dass der Kleiderschrank scheinbar aus allen Nähten platzt und wir trotzdem immer das Gefühl haben, als hätten wir nichts zum Anziehen? Und denkst du, dass man dieses Problem mit einem übersichtlichen Kleiderschrank lösen könnte?

Die meisten von uns haben viel zu viele Klamotten im Schrank hängen – oft in mehreren Größen. Der Business-Blazer hängt neben dem Glitzer-Top zum Ausgehen, verschiedene Farben und Längen hängen oder liegen wild durcheinander. Da ist es schwer, ein passendes Outfit zusammenzustellen. 
Ein aufgeräumter Kleiderschrank hilft so sehr dabei, stressfrei in den Tag zu starten. Wenn du genau weißt, wo du was findest, ist das Aussuchen und Anziehen ruck-zuck erledigt. 

Hast du ein paar Tipps, wie man sich von alten Kleidungsstücken trennen kann, um so mehr Platz und Ordnung im Kleiderschrank zu schaffen?

Ich frage immer gern die Fragen: Würdest du dieses Teil HEUTE zum vollen Preis nochmal kaufen? Sitzt es perfekt, fühlst du dich wirklich wohl darin? Womit kannst du es kombinieren?

Es hilft auch, alle Teile einer Kategorie rauszuholen und aufs Bett zu legen. Wenn du dann siehst, dass du acht schwarze Langarm-Blusen hast, hilft das dabei, die echten Lieblinge herauszufischen.
 
Oft haben wir eine Wunschvorstellung (2 Kleidergrößen weniger) oder behalten ältere Sachen, auch wenn wir sie seit Ewigkeiten nicht mehr angezogen haben („das könnte ich ja irgendwann nochmal anziehen“). Nur dass dieser Tag X nie kommt. 😉 

Passt das Teil zu deinem jetzigen Ich? Wenn nicht, sag auf Wiedersehen. 

Mehr zu Aufräumexpertin Veronica Zapp und ihr Coaching findet ihr auf ihrer Webseite https://www.veronicazapp.de/ oder ihrer Instagramseite.

Hast du ein paar Tricks für uns, die für sofort sichtbaren Erfolg sorgen?

Einheitliche Kleiderbügel lassen einen Schrank gleich aufgeräumt wirken – wie in einer Boutique. 
Dann hilft es, die Kleidung nach Farben (z.B. von dunkel nach hell) und Länge (Langarm/Kurzarm) und Kategorien zu sortieren (Hosen, Röcke, Kleider).
Pullover, Hosen und Shirts kann man super aufrecht stehend falten (am besten in einer Schublade). Das spart nicht nur Platz, sondern sorgt auch für einen guten Überblick. Und mit zusammenfallenden Chaos-Stapeln ist auch für immer Schluss. 

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